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Mutter und Tocher während der Corona-Zeit. Gemeinsam mit dem Fahrrad unterwegs. Das macht Spaß und sorgt für Bewegung in der frischen Luft. Foto: E. Weiß

Corona verändert den Alltag komplett

Eine große Herausforderung in allen Lebensbereichen

Teresa ist 33 Jahre alt. Das frühgeborene Mädchen erkrankte in der dritten Lebenswoche. Sauerstoffmangel führte zu einer schweren geistigen Behinderung. Teresa versteht zwar viel, kann aber selbst kaum sprechen. Ihre geistige Leistungsfähigkeit entspricht in etwa einem vierjährigen Kind.

Teresa ist bei ihren Eltern aufgewachsen und hat viel Förderung erfahren dürfen. Seit knapp drei Jahren wohnt die junge Frau in einer Wohngruppe mit sechs anderen Menschen mit Behinderung zusammen in einer inklusiven Wohnanlage. Die Betreuung erfolgt sieben Tage in der Woche rund um die Uhr durch einen ambulanten Pflege- und Betreuungsdienst. Finanziert wird Teresas Versorgung in dem genossenschaftlichen Vorzeigeprojekt „W.I.R. – Wohnen Inklusiv Regensburg“ durch das Persönliche Budget.

Alltagsstruktur durch Arbeit fehlt

Während der Woche arbeitet Teresa seit vielen Jahren in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Einfache Abzähl- und Sortierarbeiten machen ihr viel Freude. Die Arbeit gibt Teresas Alltag Struktur und vermittelt ihr das Gefühl, gebraucht zu werden. Doch diese Arbeit fehlt nun schon lange. Seit 18. März sind die Werkstätten wegen Corona geschlossen.

Die größte Herausforderung bestand zunächst darin, von einem Tag auf den anderen die Betreuung in der Wohngruppe während der Woche auch tagsüber zu organisieren. Die Eltern konnten und durften nicht mithelfen. Um Ansteckungsgefahren zu minimieren, sind Kontakte, sind auch kurze Besuche nicht möglich. Da sich Teresa nicht verständigen kann und sich sehr schwer tut, ihre Wünsche zu äußern, ist sie auf Betreuer angewiesen, die sie gut kennen und sehr sensibel auf sie ein- und mit ihr umgehen.

Da die Wohngruppe nicht dem Heimgesetz unterliegt, war es möglich, viele kreative Ideen einzubringen und unter Einhaltung effektiver Infektionsschutzmaßnahmen Konzepte zu entwickeln und immer wieder anzupassen, die auf individuelle Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt werden. Oberstes Gebot ist: So wenig Außenkontakte wie möglich! Große Flexibilität im Betreuungsdienst der Lebenshilfe und enorme Einsatzbereitschaft der Bezugsbetreuer machen es möglich, dass Teresa nun abwechselnd jeweils zwei Wochen in der Wohngruppe betreut wird und dann zwei Wochen bei ihren Eltern zu Hause.

Da ist Kreativität gefragt

Gerne spielt Teresa Max Mümmelmann. Foto: E. Weiß

Teresa kann sich kaum selbst alleine beschäftigen, sie ist also auf ständige Betreuung und Begleitung angewiesen. Viele Dinge, die Teresa aufbauen, ihr Freude bereiten, sind derzeit nicht möglich. Dazu gehört es etwa, mit Teresa schwimmen oder in der Stadt bummeln zu gehen, sich an Orten hinzusetzen, wo es etwas zu beobachten gibt, wo sich etwas bewegt. Wegen Corona ist das seit Wochen nicht möglich. Da gilt es, sich etwas einfallen zu lassen, kreativ zu werden, um Teresa abwechslungsreich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen sie etwas anfangen kann, die sie fordern und die ihr Selbstbestätigung vermitteln.

Und da gibt es einiges: Max Mümmelmann oder Memory spielen, Buchstaben stempeln oder bunte Perlen zu Ketten auffädeln, auch Veeh-Harfe spielen macht ihr Spaß. Gerne hilft Teresa in der Küche beim Gurken oder Tomaten Schneiden. Doch die Anleitung und Begleitung erfordert viel Rücksicht und Gespür – und das den ganzen Tag!

Welch ein Glück, dass Teresa auch gerne spazieren geht oder mit dem Tandem mitfahren kann. Und welch ein Glück, dass es sich Teresas Eltern einrichten können, sie abwechselnd und teilweise auch gemeinsam betreuen zu können. Die Mutter ist als Dozentin im Home-Office und kann sich den Tag teilweise selbst einteilen. Der Vater ist seit 1. April nicht mehr berufstätig und stellt sich der großen Herausforderung. „Über eine gewisse Zeit ist das zu leisten“, sagen die Eltern, „auf Dauer wäre es wohl kaum möglich.“

Betreuung verlangt viel Zeit und Flexibilität

Viele Eltern haben die Möglichkeit nicht, kurzfristig für ihre Kinder mit Behinderung für die Betreuung Tag und Nacht einzuspringen. Bleiben ihre Kinder in Einrichtungen, sind Kontakte nicht möglich. Wer kann das einem Menschen mit geistiger Behinderung erklären? Es ist kaum nachvollziehbar, welche Ängste und Sorgen alle Betroffenen – Eltern und Betreuer ebenso wie die Menschen mit Behinderung – aushalten und in irgendeiner Form bewältigen müssen. Da sind Kreativität, Flexibilität, Durchhaltevermögen und Verständnis erforderlich! Und vor allem viel Zeit! Denn Teresa ist glücklich, wenn vertraute Personen sie beschäftigen und sich mit ihr beschäftigen.

Mit der Mutter Buchstaben stempeln und Karten gestalten, da ist Teresa glücklich.Foto: Engelbert Weiß

 

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