"Momo" hat noch niemanden abgeworfen

Nun heißt das Pferd "Momo". Das Foto zeigt nach der
Taufe von links: Ester Hauschild, Josef Schmidmeister, Armin Bualek, Alois Turba,
Christa Weiß und Ursula Wiendl.

Behinderte
Jugendliche
bauten ein Voltigierpferd
Ein
Voltigierpferd aus Holz bauten vier behinderte Jugendliche zusammen mit Alois
Turba in der Regensburger Seniorenwerkstatt. Etwa 1,30 Meter hoch, 1,50 Meter
lang und 70 Zentimeter breit ist das zerlegbare und damit leicht zu transportierende
Pferd, das nun bei der Reittherapie für behinderte Menschen und in integrativen
Gruppen zum Einsatz kommen wird. Getauft wurde das Pferd auf den Namen "Momo".
Schreinermeister Alois Turba aus Regensburg arbeitet seit 1992 regelmäßig in der Seniorenwerkstatt. Als er von Vereinsvorsitzender Christa Weiß angesprochen wurde, war er sofort bereit, für den Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte zusammen mit behinderten Jugendlichen ein Voltigierpferd aus Holz zu bauen. Vermittelt hatte den Kontakt übrigens Heiner Nebel, der Leiter des Seniorenbüros der Stadt Regensburg.
Vier Monate arbeitete der Schreinermeister im (Un)-Ruhestand mit den behinderten Jugendlichen Esther Hauschild (18), Armin Bualek (18), beide aus Regensburg, Christian Karl (17) aus Wenzenbach und Josef Schmidmeister (18) aus Lappersdorf. Um Hilfen und Betreuung während der Arbeit jeweils am Samstagvormittag kümmerten sich Maria und Johann Christian Hauschild.
Genau nach Plan wurde das Pferd aus Holz
angefertigt.
Die Jugendlichen halfen eifrig beim Sägen, Hobeln, Feilen, Schrauben und
Kleben. Zunächst wurden für den Rumpf des Pferdes zwei runde Scheiben
aus Fichtenholz ausgesägt. Daran wurden die Beine des Pferdes angeschraubt.
Dann wurden auf die runden Scheiben Holzleisten aus Origon mit Nierosta-Schrauben
aufgeschraubt. "Die amerikanische Kiefernart Origon ist sehr astrein und
wetterbeständig", weiß Alois Turba. Er selbst hat dieses Holz
seit 50 Jahren gelagert. Turba, der selbst einen behinderten Sohn hat, fordert
die Jugendlichen auf, zu sägen, zu hämmern und zu bohren. Jeder darf
einmal schrauben. "Josef, hau rein", sagt der Schreinermeister. "Wenn
sich was rührt in der Werkstatt, ist das einfach schön." - Und
schon war der Rumpf des Pferdes fertig.
Der Kopf des Pferdes wurde nach einer vergrößerten Schablone ausgesägt. Am schwierigsten war es, die Augen des Pferdes richtig zu platzieren. Beim Aufzeichnen durfte Engelbert Weiß mithelfen, der dabei eine glückliche Hand hatte.
Eine der letzten Arbeiten war im Juli 2007, das Haar des Pferdes am Hinterkopf fest zu kleben. Es waren echte Pferdehaare. Dafür musste übrigens eines unserer Verienspferde Haare lassen.
Voltigieren heißt, turnerisch-gymnastische Übungen auf dem Pferd auszuführen. Das Pferd läuft dabei - an der Leine geführt - im Kreis. Da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, werden die Übungen zunächst einmal auf einem Holzpferd einstudiert. Damit kann das Voltigierpferd für Neulinge bei der Reittherapie nun gut helfen, Ängste abzubauen und bei ersten Übungen Sicherheit zu gewinnen, bevor es dann auf die lebenden und sich bewegenden Pferde in der Reithalle geht.

Maria Hauschild hilft beim Befestigen der Haare. Engagiert hat Alois
Turba mit den Jugendlichen gearbeitet - und er ist stolz auf das gelungene Werk.
Text: Engelbert Weiß
Fotos: Luzia Stahl und Engelbert Weiß
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