Fachhochschule Regensburg plant für Reittherapiezentrum in Seedorf

Architekturstudenten präsentieren in Regensburg zehn Entwürfe und Modelle

Eine Fülle von Ideen für ein neues Reittherapiezentrums

Ein eigenes Reittherapiezentrum, in dem ungestört mit behinderten Menschen gearbeitet werden kann, ist schon seit Jahren der Traum des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte e. V., Regensburg (VKM). Nun hat der Verein in Seedorf in der Gemeinde Pentling ein Grundstück in Aussicht, auf dem ein solches Zentrum errichtet werden könnte. Architekturstudenten der Regensburger Fachhochschule haben jetzt mit Professor Gerhard Kramer Bauvarianten und Modelle entwickelt, die als Ideengeber für die konkreten Planungen dienen sollen.

Die Fachhochschule als Ideenschmiede


Vereinsvorsitzende Christa Weiß begrüßt zur Präsentation der Modelle und Planentwürfe durch die Studenten.

18 Studentinnen und Studenten haben sich mit Professor Gerhard Kramer an die Aufgabe gewagt, basierend auf einem konkreten Grundstück in Seedorf, Gemeinde Pentling, auf Anregung des VKM Entwürfe für so ein Reittherapie- und Begegnungszentrum zu erstellen. Zehn völlig unterschiedliche und zum Teil wagemutig konzipierte Pläne und Modelle wurden dabei erarbeitet. Sogar eine unterirdische Bauvariante wurde entworfen. Grundidee des Projekts war die Absicht, als Ideenschmiede dem VKM möglichst viele Anregungen für die konkreten Planungen zu liefern.


Professor Gerhard Kramer (links) erläutert eines der Modelle dem interessierten FH-Präsidenten Professor Dr. Josef Eckstein, Bürgermeister Joachim Wolbergs und Vereinsvorsitzender Christa Weiß (von links).

Zu planen war eine 800 Quadratmeter große Reithalle mit allen für die Therapie und ein Begegnungszentrum notwendigen Räumen sowie ein Stallbereich und eine Wohnmöglichkeit, und das alles behindertengerecht. Mit Hanglage, engem Platzangebot und Ortsrand seien „alle Schwierigkeiten“, die bei einer Planung zu bewältigen sind, geboten gewesen, sagte Professor Kramer. Für die Bearbeitung gab es aber keine weiteren Vorgaben, die Wirtschaftlichkeit wurde hintangestellt. Es ging schließlich darum, möglichst unterschiedliche Entwürfe und Typologien geliefert zu bekommen. Wirtschaftlichkeit sollte den Ideenreichtum nicht bremsen, betonte Kramer.


Cheftherapeutin Uschi Wiendl (rechts) und Vorsitzende Christa Weiß danken Professor Kramer für die Regie bei der Ideenschmiede an der FH.

So konnten sich die Studenten in einer Lehrveranstaltung der Herausforderung stellen, ein ganz konkretes Vorhaben auf schwierigem Gelände umzusetzen. „Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Sozialbereich konnte dabei speziell auf die architektonischen Besonderheiten beim Entwurf eines solchen Zentrums eingegangen werden“, freut sich Professor Kramer. So sei es den Studenten möglich gewesen, theoretisches Wissen auf ein Projekt mit realen Anforderungen anzuwenden.


Drei der zehn vorgestellten Entwürf für das Therapie- und Begegnungszentrum

Vereinsvorsitzende Christa Weiß und ihr Team sind wie Professor Kramer begeistert von dem Ergebnis. „Die Studierenden haben eine Fülle von faszinierenden Ideen entwickelt und ganz unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt.“

Nur mit Spenden zu verwirklichen

Für die nun beginnenden konkreten Planungen des VKM enthalten die Modelle „interessante Anregungen“. Ziel des VKM sei es, so Vorsitzende Weiß, ein Reittherapie- und Begegnungszentrum zu konzipieren und zu verwirklichen, das „ein Vorzeigeprojekt für die Arbeit mit behinderten Menschen in der Region“ werden kann. Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg. Vor allem gilt es, für die Verwirklichung des Projekts annähernd eine Million Euro Spendengelder zu sammeln. Die große Spendenbereitschaft für in Regensburg bereits verwirklichte Projekte stimmen die Verantwortlichen des VKM für das große Projekt aber recht zuversichtlich..Ergebnis: Professor Kramer ist mit den Entwürfen „sehr zufrieden“. Es ist „keine schlechte Arbeit“ dabei.Kriterien: Die Studenten erhalten für ihre Entwürfe Noten. Zu den Bewertungskriterien gehören der Umgang mit dem Gelände, Funktionalität und Umsetzbarkeit.

Verschiedene Therapieformen

„Reittherapie“ und „Therapeutisches Reiten“ bezeichnet mehrere verschiedene Therapieformen. Dazu gehören das heilpädagogische Reiten und heilpädagogisches Voltigieren für behinderte und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche und die Hippotherapie als Form der Krankengymnastik. Auch Reiten als Sport für behinderte Menschen wird angeboten.

Maßnahmen: „Die Reittherapie umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, medizinische (Rehabilitation) und sozial-integrative Maßnahmen, die über das Medium Pferd umgesetzt werden.

Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen.

Ziel: Es geht um Förderung: Im Mittelpunkt des Therapeutischen Reitens steht die Entwicklungsförderung. „Reiterliche Fähigkeiten sind eher nebensächlich“, heißt es in der Ausschreibung zu dem Seminar für Architekturstudenten an der Fachhochschule Regensburg im Fach „Entwerfen“ für das Wintersemester 2008/09.

Text und Fotos: Engelbert Weiß

 

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