Jugendliche mit Behinderung erstellten ein modernes Hörspiel mit Prinz-Prinzenrolle und der magischen Katze
Teilnehmer und Betreuer des Workshops „Grimms Märchen mal
Andersen!“
„Grimms Märchen mal Andersen“ ist ein Projekt überschrieben, bei dem Jugendliche mit Behinderungen selbst ein Hörspiel erstellen. Organisiert hat den dreitägigen Workshop im städtischen Jugendzentrum Arena im Oberislinger Weg die neue Jugend-Freizeitgruppe „Herkules“ des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte in Regensburg.
Der Prinz kommt nicht auf dem Pferd, sondern mit dem Auto, in dem Märchen gibt es auch ein Telefon und gearbeitet wird mit modernster Technik. Vom Auswählen und Erfinden der Geschichte über das Texten der Dialoge, das Aufnehmen von pantomimischen Szenen bis zum Bearbeiten von Fotos und Schneiden der Aufnahmen: die behinderten Jugendlichen machen alles selbst und dürfen am Ende des dreitägigen Workshops ein komplett fertiges neues Hörspiel auf CD mit selbst entworfenem Cover und eine zweite CD mit Fotos von ihrer Arbeit mit nach Hause nehmen.
Ein besonderes Angebot wollten die Leiter der neuen Jugend-Freizeitgruppe des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte in Regensburg, Roland Forster, Jutta Kellner und Matthias Artmann, für ihre behinderten Jugendlichen machen. Für nur 50 Euro Teilnehmergebühr inklusive drei warmen Mahlzeiten organisierten sie einen dreitägigen Workshop im Jugendzentrum Arena, der auch von „Aktion Mensch“ finanziell unterstützt wird.
Diplom
Pädagoge Markus Bauer ist Fachmann für Medienpädagogik und hat
Erfahrung in aktiver Medienarbeit. Mediengestalter David Grosser, Medienreferent
beim Bezirksjugendring Oberpfalz, stellt nicht nur sein Fachwissen zur Verfügung,
sondern organisierte als kostenlose Leihgabe des Bezirksjugendrings technisches
Equipment wie Notebooks und Drucker, Kassetten-Aufnahmegeräte, spezielle
Mikrofone und Digicam. Bei der Rundumbetreuung der behinderten Jugendlichen
werden sie unterstützt von den Sozialpädagogik-Studentinnen Jutta
Kellner und Maria Nemeth sowie von Rosey Zocher in der Küche.
Der Workshop beginnt mit kurzen Sprachaufnahmen. Jeder Teilnehmer darf ins
Mikrofon
sprechen und kann sich seine Kurzvorstellung hinterher gleich anhören.
Dann haben die behinderten Jugendlichen und ihre Betreuer viel Spaß, als
bekannte Märchenfiguren pantomimisch nachgespielt werden. Nach und nach
wird eine Geschichte entwickelt, in der alte Märchenfiguren modernisiert
und in unsere Zeit aktualisiert werden. Während die behinderten Jugendlichen
verschiedene Szenen spielerisch darzustellen versuchen, werden Gespräche
aufgenommen und notiert. Daraus werden dann Dialoge entwickelt, getextet und
eingeübt. Am zweiten Tag steht für die weitere Arbeit ein dreiseitiges
handgeschriebenes Drehbuch zur Verfügung.
Nach und nach werden die fertigen Dialoge eingeübt, ins Mikrofon gesprochen,
mit dem Laptop und mit der digitalen Videokamera aufgezeichnet. Im Freien werden
bei herrlichem Oktoberwetter verschiedenste Geräusche wie etwa das Rascheln
bunter Blätter akustisch auf Kassette aufgenommen und mit der Digicam in
Ton und Bild festgehalten. Unter fachkundiger Anleitung werden die einzelnen
Elemente dann zusammengeführt. Am
Schluss wird der Erzähler in das modernisierte Märchen eingearbeitet,
der mit seinen Erläuterungen die ganze Geschichte für jeden verständlich
erklärt.
Sogar der Titelsong wird selbst erarbeitet und musiziert. Und jeder Jugendliche malt seine Märchenfigur auf ein DIN-A 4-Blatt: die Kräuterhexe, Dornröschen, den bösen Wolf, Prinz-Prinzenrolle, Königinmutter, die Wunschfee und eine magische Katze. Daraus wird ein je eigenes Cover für die neue Hörspiel-CD gebastelt. Und natürlich gibt es auch eigene Labels für jede CD. In der Doppel-CD-Hülle, die am Ende jeder Teilnehmer mit nach Hause nehmen kann, befindet sich schließlich neben der neuen Hörspiel-CD noch eine Foto-CD mit Aufnahmen vom Workshop. Nur stolze behinderte Jugendliche beschließen den dreitägigen Workshop in einer gemütlichen Runde bei Kuchen und Tee. Die behinderten Menschen können es jetzt kaum erwarten, ihre CD mit dem neuen selbst gestalteten Hörspiel mit ihrer eigenen Stimme, mit ihren eigenen szenischen Darstellungen und mit den Beweisfotos für ihr Engagement beim Workshop zu Hause ihren Verwandten und Bekannten vorzuführen.
Text und Fotos: Engelbert Weiß
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